Im Einklang mit dem Körper sein statt neben sich stehen

Im Einklang mit dem Körper sein statt neben sich stehen.

Die Bedeutung der Achtelbewegung für Haltung, Atmung und Psyche.

Jeder kennt das Gefühl: Man weiss nichts mit sich anzufangen; das Gefühl, nichts richtig zu machen oder einfach eine innere Leere zu spüren. Redensartlich spricht man davon, neben sich zu stehen. Das drückt aus, dass Körper und Psyche sich fremd sind, sie nicht im Einklang miteinander stehen. Niemand ist vor diesem Zustand gefeit. Besteht er jedoch ständig oder kehrt er regelmässig wieder, besteht eine erhöhte Gefahr für Depressionen. Unter den vielen nichtärztlichen Therapeuten, die sich mit dem Zusammenspiel von Physis und Psyche beschäftigen, sticht die Basler Gesangspädagogin und Bewusstseinstrainerin Edit Siegfried-Szabo hervor. Edit Siegfried-Szabo hat für die von ihr entwickelte Methode „Bewusstseinstraining – Supraleitung“ aus der Physik den Begriff der Supraleitung übernommen. Das ist eine Verbindung von Stoffen, die so kombiniert sind, dass sie bei einer bestimmten Temperatur keinen elektrischen Widerstand mehr aufweisen und der Strom damit unbegrenzt durch den Leiter fliessen kann. Siegfried-Szabo erläutert, dass es ihr Ziel gewesen sei, dieses Prinzip auf den menschlichen Körper zu übertragen. Es sei naheliegend gewesen, dass der menschliche Energiefluss durch konditionierte Ängste und äußere Erwartungshaltungen gestört würde. Da der Instrumentenkoffer der Schulpsychologie nicht allen Menschen helfen könne, habe sie nach einer niedrigschwelligen und selbsttherapeutischen Methode gesucht. Schlüssel dazu seien die Techniken und Übungen gewesen, die sie auch bei ihren Gesangsschülerinnen und -schülern regelmässig anwendet. Einem breiten Publikum stellt sie dieses Trainingsprogramm für die innere Muskulatur über den YouTube-Kanal BTS und das Buch „Supraleitung – Der Weg zur Mitte“ zur Verfügung. Dabei zeigt sie in 31 Kapiteln bzw. Übungseinheiten, wie man durch die Stärkung der inneren Muskulatur zu mentaler Stärke und Selbstbewusstsein findet.

Wie dies genau wirken soll, zeigt Edit-Siegfried-Szabo im Gespräch anhand eines Beispiels. „Da unsere Augen nach vorne gerichtet sind, tendieren wir dazu, nur in eine Richtung zu blicken und dementsprechend auch zu denken. Diese Zweidimensionalität schränkt nicht nur den Blick, sondern auch unsere Energie ein. Doch erst, wenn unser Körper und unser Atem- und Energiefluss in den Raum eingebunden sind, können der Atem und damit unsere Energie ohne Widerstand fliessen.“ In Kapitel 1 ihres Buches zeigt sie eine Übung, wie man diese körperliche Dreidimensionalität praktizieren kann. So solle man sehr langsam und sehr bewusst unter Anspannung jeweils mit Nabel und After eine Acht in jede Richtung zeichnen. Dies solle mehrfach wiederholt werden, wobei jede Acht etwa zehn Sekunden dauern solle. Damit könne die tiefliegende Muskulatur stabilisiert werden, die wiederum für den inneren Halt verantwortlich sei. Die konsequente Anwendung ihrer Methode würde dazu führen, dass sich der Körper in seiner Mitte einpendeln könne. Verspannungen würden aufgelöst und die verbesserte Sauerstoffversorgung würde sich positiv auf die Psyche auswirken.

Die Stärke des Buches ist, dass alle Übungen ohne Hilfsmittel und an fast jedem Ort ausgeführt werden können. So wendet es sich auch an Büromenschen, die ihren bürobedingten Verspannungen und Energieblockaden an Ort und Stelle entgegen wirken können. Das Buch „Supraleitung: Der Weg zur Mitte“ ist inzwischen obligatorischer Lehrstoff an der medizinischen Fakultät Basel für den Studiengang Master of Advanced Studies in Cranio Facial Kinetic Science geworden. Dieser interdisziplinäre Studiengang beschäftigt sich mit Störungen der Gesichtsmuskulatur. Edit Siegfried-Szabo hielt in diesem Semester Vorlesungen über ihre Methodik und konnte dabei bisher das Auditorium nicht nur fesseln, sondern auch von ihrem Ansatz überzeugen.